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ICH, WIR & DIE ANDEREN – Karlsruhe- Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen – Bloggersymposium lockt 50 Menschen nach Karlsruhe

Friday, September 14th, 2007

ICH, WIR & DIE ANDEREN

hieß das Symposium, das heute in Karksruhe, meiner neuen Wahlheimat stattfand, zu dem ich heute um 19:47 noch nichts livegebloggtes finden konnte und mich daher animiert, zur Donnerstäglichen kickoff-Podiumsdiskussion zu gehen, in der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhes Osten.

Warum ging ich hin ? Ich wollte mal A-List Blogger kucken. Das letze mal auf der Buchmesse waren auch ein paar da – später habe ich dann einige normal aussehenden Menschen mit “creative commons”-buttons wahrgenommen, offensichtlich gibt es für A-List Blogger noch kein goldenes Parteiabzeichen.

Die Diskussion selber war , naja, langatmig. Den am wenigsten Web2nulligsten Vortrag lieferte der eingesprungene Hausherr Uwe Hochmuth ab, der die Gelegenheit ergriff, sich vor ca 60 Menschen an der Idee des Herrschaftsfreien Diskurses ™ by Habermas, zu wärmen und sich wünschte, das Netz könnte eben zu jenem einen Beitrag leisten.
Ich fand dieses Konzept schon vor Jahren ein sehr theoretisches, in Kurz: Es wird solange geredet, bis alle freiwillig einer Meinung sind, weil das objektive beste Argument gewonnen hat.
Zum Glück wurde er nach 30 Minuten jäh unterbrochen, ich war nämlich gerade am gehen.
Mercedes Bunz, Andy Maguhn und der nette Niederländer Dr. Geert Lovink stellten den Zusammenhang zum Netz wieder her. Jeder der vortragenden las irritierenderweise vom laptop ab, die freie Rede ist wohl keine wertgeschätzte Kulturtechnik mehr. Andy Maguhns abgeklärte Weltsicht gefiel, das Politikbashing von Mercedes (sind die langen Haare eigentlich echt ? Wer ist ihr Shampoo-Sponsor) missfiel Herrn Hochhuth und daß in einem Land, in dem vor 40 Jahren “Springer enteignen” nun “Google enteignen” postuliert wurde, sorgte für ein merkwürdiges Gefühl von Behaglichkeit in der vollkommen schmucklosen Veranstaltungshalle – in Baden ist eben die Revolution zuhause.

Heute tagsüber musste ich arbeiten, konnte daher nicht am Symposion teilnehmen, bin mal gespannt, wann ich darüber online lesen kann.
Noch nachzureichende Antworten, da ich das Elend gestern abend nicht noch verlängern wollte:
@ M.Bunz: Deutschland hat mE deswegen keine massgebliche Blog-Kultur, weil es bei uns keine so obszön verdummend ”corporate media” gibt wie in USA, dagegen ist ja Bild Gold. Wir hatten auch kein erfolgreiches BTX, anders als zB Frankreich mit Minitel, das dort seit den 80ern die Leute bewegt, sich elektronisch auszutauschen. Wir haben also wenig Gegner.
@Andy Maguhn – ein bisschen mehr Differenzierung bzgl des Begriffs “Politik”, “Die Politiker” etc ist wünscheswert, gilt auch für M.Bunz – wobei der Zynismus und die Weltsicht durchaus begrüssenswert sind

@Dr. Geert Lovink – Manchmal hilft es, beim Laptop den Anzeigemodus auf “Beamer & Schirm gleichzeitig” zu ändern, das sorgt für einen entspannteren Vortragsstil. Die Obsession mit Kennzahlen ist ja ganz nett, aber inhaltlich war der Beitrag, bis auf die googlephobia etwas mau.

@moderatorin: bemüht, hat aber den Charme von längst vergessenen Fernsehdiskussionsrunden versprüht, in der eine Ulrike Meinhof mit Kippe über Stadtguerilla schwadroniert

@Orga – ambitioniertes Konzept, evtl sollten aber die Themen etwas besser zugespitzt werden.

Ingesamt: Gut, daß ich nur 5 minuten Hinweg hatte – wenn ich aus FFM angereist wäre wie ein Diskussionsteilnehmer, wäre ich wohl ebenfalls frustriert gewesen.