Dank einer recht guten TS-Version kann ich mir heute abend den Weg ins Kino sparen – vergangenen Sonntag war hier Bond-Themenabend. Was alle schon wissen: Es geht rauher, erdiger, blutiger und ohne übertriebenen Technikeinsatz zu Sache.
An Hoch-Technik sehen wir lediglich einen Defibrillator, eine schöne und einen 3D-Personenscanner oder Gerät zur Handyortung . Ingesamt werden wir wohl statt mechanischen Gadgets in Zukunft vermehrt Softwaregadgets sehen, da an Mechanik ja nun wirklich alles schon mal da war. Auch bei den Waffen herrscht Zurückhaltung. Das Haus Heckler&Koch kommt mal wieder gut weg und durfte beide Seiten beliefern.

…aus 7 wird 007…Die ersten Sporen verdient sich Bond auf der Herrentoilette.
Die erste Doppelnull ist nicht leicht verdient. Hier geht es erstmals heftiger zur Sache. Besucher Grossbritanniens kennen solche Szenen auch aus Pubs oder aus
Hooligan-Filmen mit Danny Dyer.

Bei der mit Parcours-Stuntmen sehr nett inszenierten Verfolgungsjagd zu Fuss gewinnt Bond dennoch nach Punkten, beim shoot-out mit der Wachmannschaft bleibt ebenfalls kein Auge trocken. Zur Belohnung fischt Bond ein Nokia-Handy ohne Branding aus dem Rucksack des Terroristen. 1:0 für MI 6.

Die üblichen Weltberherrscheranzüge mit Mao-Optik haben 2006 ausgedient. In Abweichung zu früheren Schemata verfügt der Hauptbösewicht nicht mehr über große Mengen schlecht schießender Mitarbeiter in vielfarbigen Kunststoff-Anzügen sondern über lediglich einen einzigen Vorstands-Assistenten, der auch keine ausgeprägte Funtion, Kampftechnik oder Waffe hat. Die Vergiftungs-Szene ist im übrigen recht komisch. Früher diente die Bewusstlosigkeit Bonds dazu, ihn auf die geheime Insel zu verschleppen, um ihm dann jede Menge knapp bekleidete Frauen als Wachen zur Seite zu stellen. So knapp wie diesmal ist Bond noch nie von der Schippe gesprungen und daß Bond mal auf die Hilfe einer Frau angewiesen sein würde, dass konnten wir uns bei Sean Connery nicht vorstellen. Dass Bond seinen Gegenspieler nicht einmal selbst richten darf, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.
Im exlusiven Club auf den Bahamas macht Kommissar Docker Urlaub. Ich wünsche mir für den nächsten Bond mehr Tarrach-Einsatz. Vielleicht eine gemeinsame Szene im Kölner Hauptbahnhof, mit Daniel Craig, Oliver Korritke und Tarrach? Allerdings wirkt der Ford, mit dem Bond hier vorfährt, merkwürdig deplaziert. Fast als hätte man ihm den Dienstwagen von Docker untergeschoben. Irgendwie komisch, dass der MI 5 zwar 15 Mio für ein Kartenspiel lockermacht, dann aber beim Mietwagen spart. Typisch öffentlicher Dienst.

Auch der zweite Terrorist hat das Nachsehen: Erst musste er sich durch eine Körperweltenaustellung quälen, dann misslingt auch noch der Anschlag auf den Prototypen. Kein guter Tag für die Terrorszene. Wenigstens hat Bond auch wier was einstecken müssen. 007 scheint sich über die Abwechslung in der Art&Weise, mit der seine Gegner ins Jenseits gelangen zu freuen, 2:0 für England.

Bond-Gespielinnen haben auch 2006 keine grosse Lebensdauer. In welchem anderen Film sind eigentlich sämtliche Girls verstorben ?
Insgeheim hätten wir Bond doch im untergehenden Haus sicherlich die Sauerstoff-Patrone aus Thunderbolt oder wenigstens die Laser-Timex aus Moonraker gewünscht. Der Kontrast ist schon recht gross, früher sprengt er sich mit Armbanduhren durch alle Filme, 2006 verzweifelt er an einem 100 Jahre alten, mechanischen Schloss. Was sagen eigentlich die Freunde der Sperrtechnik eV dazu ? Nur noch 3:1 für England.

“Bond.James Bond.” Darauf mussten wir bis zur Schlußszene warten. Schlechte Nachrichten für alle Bond-Film Trinkspiel-Parties.
Jedenfalls eine nette Abwechslung zum klassischen Schema: “Finden des Verstecks, Gefangennahme, Erklären des Masterplans durch Bösewicht,Selbstbefreiuung, Vernichtung aller Endgegner, Beischlaf mit überlebender Gespielin”. 4:1 für England.
Fazit:
Der Film hat wenig Längen, die Casino-Szenen/das Kartenspiel sind etwas langatmig.
Ebenso wirkt die Venedig-Sequenz irgendwie angeflanscht, nach den sehr intensiven Folter-Szenen reisst die Spannung ab und kann mM nach auch durch die hektischen Kampfszenen im untergehenden Haus nicht wieder aufleben.
Der neue Realimus passt in die Zeit und wird der Serie die verlorene Dynamik zurückgeben. Kein Klamauk mehr, keinen Albernheiten, keine phantastischen Wunderwaffen. Mal sehen, wer nächstes Jahr Moneypenny und Q spielt.
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